00:00:00: Virginia Wolff hat mich da sensibilisiert für die Frage, wie sich Wahrnehmung verändert im Zustand des
00:00:07: Liegens.
00:00:08: Ein
00:00:08: Podcast von der Kulturstiftung der Länder.
00:00:13: Er wurde der äußerst lesenswerte Aufsatz vom Kranksein veröffentlicht, in dem Virginia Wolf die Welt aus der Perspektive einer im Bett liegenden Kranken schildert.
00:00:25: Wer sich mit ihrer Biografie beschäftigt hat weiß dass sie bereits auf eine lange und schwere Geschichte von Krankheitsepisoden zurückblickt.
00:00:34: Und dieser Aufsatz beginnt mit einem Gedanken, den ich hier gerne mal – wenn auch stark gekürzt – zitieren möchte.
00:00:40: Bedenkt man wie allgemein Krankheit ist?
00:00:43: Wie gewaltig die geistige Veränderung, die sie bringt und dann folgen weitere zehn oder zwölf Zeilen, die ich hier weglasse?
00:00:50: Wenn wir das alles bedenken, dann erscheint es wahrlich seltsam dass nicht die Krankheit mit der Liebe und dem Kampf unter Eifersuch zusammen ihren Platz eingenommen hat unter den Hauptthemen der Literatur.
00:01:05: Fast möchte man meinen, dass dieser Text von Virginia Wolff oder Virginia Wolth Pate gestanden hätte für die Ausstellung über die ich jetzt sprechen möchte mit Frau Professorin Dr.
00:01:16: Monika Ankele.
00:01:18: Sie ist Direktorin des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité und gleichermaßen Kuratorin der Ausstellung Horizontal das Krankenbett und die Welt im Liegen.
00:01:30: Ich grüße sie vor Ankelle!
00:01:32: Schöne guten Tag.
00:01:33: freue mich hier zu sein
00:01:35: Frau Ankele, der zitierte Aufsatz ist ja ziemlich genau einhundert Jahre alt und ich habe jetzt den Verdacht woran es liegen könnte dass die Literatur dieses Thema gemieden hat.
00:01:44: Weil es nämlich so schwer ist eine bildstarke Handlung oder eine Heldenreise mit Krankheit oder einem Krankenbett zu verbinden weil sich da ja überhaupt nichts bewegt.
00:01:55: aber mein Eindruck ist das die Literatur sich dieses Themas mittlerweile durchaus angenommen hat.
00:01:59: Ist das ne richtige Beobachtung?
00:02:02: Ja, ich glaube das ist durchaus richtig die Beobachtung.
00:02:06: Das lässt sich auch daran eigentlich noch mal zeigen dass dieser Essai von Virginia Woolf aus dem sie jetzt zitiert haben von uns in sechsundzwanzig eine neue Übersetzung erfahren hat und das zeigt ja auch, dass es da eine neue oder veränderte Aufmerksamkeit gibt für das Kranksein und dieses Erzählen aus dem Zustand der Krankheit heraus.
00:02:27: Sie haben ja, wenn ich mich recht entsinne in ihrer Ausstellung auch noch einmal Thomas Manns Zauberberg zu diesem Thema zitiert.
00:02:35: Genau!
00:02:36: Also Thomas Mann hat einen Platz bei uns in der Ausstellung gefunden allerdings nur mit einem Zitat.
00:02:42: aber dieses Zitat ist so prägnant und war eigentlich auch mit Ausschlaggebend für den Titel, den wir für die Ausstellung gewählt haben nämlich horizontal.
00:02:50: Denn Thomas Mann beschreibt eben diese Gemeinschaft der Liegenden auf diesem Zauberberg, die sich da der Kur-, der Tuberkulose-Kur hingeben und er beschreibt diese Gruppe als die Horizontalen.
00:03:01: Und das ist so spannend weil er eigentlich hier eine Lebensform beschreibt also Menschen, die die Welt liegend erleben erfahren wahrnehmen und die eine Gemeinschafter ausbilden.
00:03:14: Ich weiß, dass Sie sich schon länger mit dem Thema krank sein beschäftigen.
00:03:17: Aber wahrscheinlich hat nicht Virginia Woolf den Ausschlag für diese Ausstellung gegeben oder doch?
00:03:23: Nicht wirklich!
00:03:24: Aber Virginia Woolfe hat auf alle Fälle Inspiration gegeben und vor allem hat Virginia Woolff mich da sensibilisiert für die Frage wie sich Wahrnehmung verändert im Zustand des Liegens
00:03:37: bzw.,
00:03:38: wie unsere Wahrnehnung überhaupt gekoppelt ist an unserer Körperhaltung.
00:03:42: Wir sehen andere Dinge im Stehen und im Liegeln.
00:03:45: Wir nehmen uns selber anders wahr, wir haben auch andere Gedanken und wir begegnen und sprechen auch anders abhängig davon, ob wir liegen sitzen oder stehen.
00:03:54: Und vor vielen Jahren eigentlich schon begonnen im Rahmen des Forschungsprojekts mich mit dem Krankenbett zu beschäftigen, mit dem Krankenbett in der Psychiatrie und hier vor allem mit einer Behandlungsmethode die um nineteenhundert in der psychiatrie eingeführt wurde nämlich die sogenannte Bettbehandlung.
00:04:11: Im Rahmen dieser Behandlung hat man die Patienten und Patientinnen aus den Isolierzellen der Einrichtungen herausgenommen, und sie ihnen gemeinschaftliche Krankenseele warführt.
00:04:22: Und die Idee war – das ist eigentlich recht spannend – dass Liegen eine suggestive Wirkung auf die Patientinnen und Patienten zeigen sollten.
00:04:32: Das heißt im Zustand des Liegens sollten die Patientin und PatientInnen Krankheitseinsicht bekommen sich quasi sozusagen diesen Moment der Patient-Werdung öffnen.
00:04:45: Und das war ein ganz zentrales... Ganz zentrale Idee, die mit diesem Liegen und mit dieser Bettbehandlung verbunden waren.
00:04:55: Hab ich das richtig verstanden?
00:04:56: Also sie mussten sich hinlegen um sich selber als Patienten auch ernst zu nehmen?
00:05:01: Genau!
00:05:02: Weil in der Psychiatrie des Beschreibenden Ärzte gab es oft Das Problem, dass die Patientinnen eigentlich nicht überzeugt waren, dass sie krank waren.
00:05:14: Und im Unterschied zu einem gebrochenen Bein, wo man Schmerzen spürt
00:05:17: etc.,
00:05:18: gab es eben oft Widerstand gegen die Behandlung und gegen die Unterbringung in der Psychiatrie.
00:05:23: Die Idee war, dass sich die liegende Haltung ganz eng mit dem Krankstein verknüpft ist und dass man das nutzen könnte für die Be Handlung von Patienten in der psychiatrie.
00:05:36: Also die Ärzte sprechen ja wirklich von einer suggestiven Wirkung, die die liegende Haltung zeigen sollte.
00:05:43: Das finde ich ganz interessant weil über den Aufsatz von Virginia Woolf hinaus, den ich gerade zitiert habe hat Virginia Woolfe das Lesen und auch das Schreiben als eine sie selber therapierende Tätigkeit wahrgenommen.
00:06:05: Ehrmann, der hat immer dafür gesorgt dass sie in so einer Art in einem isolierten Bett lag wo sie sich mit eigentlich überhaupt nichts beschäftigen konnte was sie immer sehr stark belastet hat.
00:06:20: Virginia Woolf wurde wie interessanterweise auch andere Schriftstellerinnen in der Zeit mit einer sogenannten Ruhekur behandelt und diese der Nervenarzt Silas Wea Mitchell quasi entwickelt hat.
00:06:36: Die sah vor, dass sich die v.a.
00:06:39: die Patientinnen, die er behandelt hat mit nichts beschäftigen sollten.
00:06:42: Also sie sollten wirklich aufhören zu schreiben und zu lesen, irgendwie aktiv zu sein.
00:06:48: Sie sollten ausschließlich im Bett liegen über mehrere Wochen hinweg absolute Bedrohe halten und erst langsam dann wieder an Aktivitäten gewöhnt werden.
00:06:59: Und das sollte diese nervösen Erkrankungen, Symptome etc.
00:07:04: lindern.
00:07:05: Das war eine Behandlungsmethode die auch Virginia Wool verfahren hat und über die sie auch einfließt in ihre Erfahrungen, auch in ihrer Literatur.
00:07:17: Sehr interessant!
00:07:18: Aber wir wollen ja nicht über Virginia Wolf einen Podcast machen, sondern über Ausstellung.
00:07:23: Und da geht es um das Kranksein und das bedeutet auch dass wir in aller Regel zumindest auf Hilfe angewiesen sind.
00:07:30: Sie thematisieren verschiedene Facetten davon unter anderem die physisch unterstützenden Hilfsmittel, die sich seit dem neunzehnten Jahrhundert in Krankenzimmern finden.
00:07:40: Die sehen die Ausstellung zeigen
00:07:42: Genau, also ein Aspekt den wir näher beleuchten sind eigentlich diese technischen Erweiterungen um das Krankenbett herum.
00:07:49: Denn bettlegrig zu sein bedeutet dass sich eigentlich alle Aktivitäten in diesem Krankenbrett abspielen.
00:07:55: Das heißt es ist im Idealfall ein funktionaler Raum wo sich alle Handlungen, alle Aktifitäten bündeln und wo es unterschiedliche Werkzeuge Hilfsmittel gibt die diese Handlungendätigkeiten etc.
00:08:08: möglichen.
00:08:09: Und wir schauen uns beispielsweise die Entwicklung des Nachtdisches an.
00:08:13: Eigentlich scheint es ein ganz simples Ding zu sein, aber ist natürlich sehr hilfreich wenn man bettlegrig ist einen Tisch zur Seite zu haben wo man Bücher ablegen kann, wo man Speisen ablegen können etc.
00:08:27: Aber wir schauen auch an wie sich beispielsweise der Bettgeigen entwickelt hat damit die Patientinnen und Patienten die Möglichkeit hatten sich selbst aufzurichten ohne die Hilfe eines anderen andere Werkzeuge, die da in diesem Bereich der technischen Erreiterungen fallen.
00:08:42: Das ist extrem spannend weil es gab auch viele Erfindungen zu diesem Thema.
00:08:48: und wir stellen beispielsweise eine Erfindung vor Da wird das Bett quasi so eine Wundermaschine.
00:08:55: Da ist alles aus dem Bett heraus möglich und das Bett ist schreibtisch, ist Entspannungsstuhl, ist Kinderbett... Also alle möglichen Arten des Sitzens- und Liegens verdichten sich da in diesem Bettraum.
00:09:12: Eine fantastische Science-Fiction Vorstellung!
00:09:15: Man muss sein ganzes Leben lang gar nicht mehr aufstehen.
00:09:17: Genau was so ist dass man kann alles vom Bett ausmachen.
00:09:21: Wo haben sie denn diese Exponate her?
00:09:22: Sind Sie da durch den Fundus ihres Museums gegangen oder haben die zusammen gesammelt?
00:09:30: Wir haben extrem viele Archive durchforstet.
00:09:33: Wir haben auch sehr, sehr viele Leihgeberinnen und Geber.
00:09:37: Und wir haben natürlich auch unser eigenes Museum durchforstedt und das Universitätsarchiv, dass eben auch die Akten der Charité aufbewahrt.
00:09:47: Hier sind wir eigentlich fündig geworden aber auch in kleineren Archiven, kleineren Museen, die einfach noch mal sehr ausgewählte Objekte aufbewahren.
00:09:58: Haben Sie denn ein Exponat, wo Sie sagen das ist das in das ich mich verliebt habe?
00:10:04: Das steht für die ganze Ausstellung.
00:10:05: Das ist mein Lieblings-Ausstellungsstück?
00:10:11: Das sind so viele unterschiedliche Ausstellungs-Stücke zeigen.
00:10:14: wir zeigen ja künstlerische Arbeiten, wir zeigen aktivistische Positionen Wir zeigen aber eben auch archivmaterialienten Objekte.
00:10:21: Es ist relativ schwer da sozusagen ein Lieblingsobjekt auszusuchen.
00:10:26: Was mich selbst überrascht hat bei der Recherche, war eigentlich dass wir auch in einem kleinen Krankenhausmuseum auf Kopfhörer und ein Radiogerät gestoßen sind.
00:10:37: Und dann im Universitätsarchiv Akten gefunden haben die von Berichten wie Ende der zwanziger Jahre hier an der Charité eine Rundfunkanlage installiert worden ist.
00:10:49: Und es finden sich unglaublich viele Briefe von Kliniken, aber auch von Patienten und Patientinnen die um Anschluss an diese Rundfunkanlage bitten.
00:10:58: Die um Kopfhörer bitten und Lautsprecher bitten.
00:11:01: Es gibt da einen Brief eines Patienten der eben sich darüber beschwert dass die Beamten immer den Radiosender abschalten genau dann wo es für ihn spannend und interessant wird.
00:11:13: Er schreibt, dass nur weil er Patient in einem Krankenhaus ist, er nicht das Interesse an der Welt verloren hat.
00:11:20: Dass er ein Recht darauf hat, Informationen zu erhalten und an dieser Welt teilzunehmen.
00:11:26: Und diese Verknüpfung von diesen Objekten, den Kopfhörern oder dem Radiogerät mit diesen Briefen und ganz tollem Fotografien war für mich die größte Überraschung mit einer der spannendsten und schönsten Teile in der Ausstellung.
00:11:45: Ja, interessant!
00:11:47: Wir haben ja gerade schon darüber gesprochen dass man auf Hilfe angewiesen ist im Krankenbett.
00:11:51: Sie haben auch ein Kapitel der Frage gewidmet wie denn Menschen die im Krankenbet liegen ihre politischen Teilhaberechte wahrnehmen?
00:12:04: Genau also das mit dem mit der Rundfunkanlage schließt ihr eigentlich schon genau an diese Frage Wie ist eigentlich gesellschaftliche Teilhabe vom Krankenbett ausmöglich?
00:12:14: Und das hat sozusagen die Leute, die Patienten bettlegigen Menschen nicht nur beschäftigt in den historischen Zeiten sondern auch gegenwärtig ein sehr wichtiges und zentrales Thema.
00:12:26: Wir haben da auch so bisschen in den Archiven geforscht und recherchiert Und eine ganz wichtige Entwicklung war natürlich auch die Entwicklung des Wahlscheins.
00:12:37: Also, dass man ab da in der Bundesrepublik mit der Einführung der Wahlscheine Menschen, die bettlegrig waren, auch ermöglicht hat an politischen Wahlenteil zu nehmen.
00:12:48: Es gab davor zwar auch schon Wahlkommissionen, die in Krankenhäuser gekommen sind
00:12:52: etc.,
00:12:53: aber hier wird das dann wirklich einfach nochmal gesetzlich festgelegt und das ist natürlich ein wichtiger Schritt und auch ein wichtiges Zeichen.
00:13:02: Wir haben zu Eingang unseres Gesprächs schon mal über Thomas Mann gesprochen und über die Horizontalen, bei denen ja das Liegen auch eine Form der Therapie war.
00:13:13: Und da haben sie mehrere Beispiele.
00:13:14: was ich ganz interessant finde, finde dass hier in Berlin Charlottenburg also in fast fußläufig von der Kulturstiftung der Länder, vier die erste Waldschule gegründet wurde, die später Vorbild wurde für zweihundert etwa weitere in Deutschland Auch kränkliche Kinder, ich sag mal in der Mittagspause rausgeschoben wurden damit sie sich erholen.
00:13:40: Genau also das war auch natürlich ein überraschender und schöner Fund diese Geschichte der Waldschule Charlottenburg die von dem Kinderarzt Bernhard Bendix, der auch an der Charité tätig war eine kurze Zeit lang mit ins Leben gerufen worden ist Und die eben, wie Sie es schon beschrieben haben, kränglichen Kindern die Möglichkeit gegeben hat im Wald unterrichtet zu werden.
00:14:04: Dort zur Schule zu gehen und das war ein Unterricht mit reduzierten Unterrichtszeiten mit wenigen Schülern und Schülerinnen und sozusagen die Ruhe pausen, den Mittagspausen der Mittagsschlaf
00:14:16: etc.,
00:14:17: Das waren ganz zentrale Elemente.
00:14:19: auch dieses Unterricht in der Waldschule ist überhaupt ganz spannend, wenn man sich dieses frühe zwanzigste Jahrhundert anschaut.
00:14:28: Dass sie eine Zeit ist wo sich sehr vieles verändert durch die Urbanisierung, durch neue Kommunikationsmittel, durch Neuverkehrsmittel
00:14:36: etc.,
00:14:37: das geht einher mit einer Vielzahl von nervösen Erkrankungen, die beschrieben werden.
00:14:43: und genau zu dieser Zeit entwickelt sich eigentlich so etwas was wir in der Ausstellung als Kultur der Horizontalen beschreiben also ganz unterschiedliche Liege, Kuren etc.
00:14:55: das Ruhehallen werden ins Leben gerufen und jetzt nicht nur bezogen auf den medizinischen Kontext sondern wirklich auch mit Blick auf die Profilaxe und mit Blick in die Gesellschaft.
00:15:07: also die Waldschule ist ein Beispiel aber auch die Ruhe Hallen die der Psychiater Robert Sommer vorgesehen hat nämlich dass es in allen Großstädten eine Halle geben sollte wo Menschen sich kurz niederlegen können um danach wieder gestärkt in die Stadt zu gehen und den Erledigungen nachzugehen.
00:15:24: Das sind Ideen, die in dieser Zeit entstehen und teilweise auch realisiert
00:15:29: werden.".
00:15:30: Und wie sich diese Kultur revolutioniert sieht man daran?
00:15:33: Ich kann mich selber erinnern als Kind dass man in Krankenhäusern stundenweise kranke besuchen konnte und zu bestimmten Uhrzeiten dann rausgeschmissen wurde.
00:15:44: sie sich selber haben geschrieben das das in der Charité irgendwie zweimal zwei Stunden in der Woche gab noch vor vor fünf, zwanzig oder dreißig Jahren in denen man in der Woche überhaupt Kranke besuchen konnte?
00:15:58: Genau.
00:15:58: Also das ist auch etwas, dass wir eine Ausstellung zeigen und dass man sich einfach noch mal näher überlegen muss was es eigentlich bedeutet eben auch diese soziale Versorgung von Menschen die krank sind, die bettligrig sind, im Krankenhaus sind wie wichtig eigentlich soziale Beziehungen sind und wie sehr sie eigentlich verunmöglicht waren.
00:16:18: lange Zeit weil eben dieser Krankenbesuch nur für zwei Stunden vorgesehen oder möglich war und überhaupt erst Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts ausgeweitet wurde auf eine Abendzeit, so dass berufstätige Menschen eigentlich erst ab der Mitte des Zwanzigste Jahrhunders unter der Woche die Möglichkeit hatten ihre Angehörigen oder Freunde im Krankenhaus zu besuchen.
00:16:37: Was hatte das denn für ein Hintergrund?
00:16:39: War es irgendwie ruhetherapeutisch so wichtig oder hat man das für so wichtig gehalten, Ich kann mich erinnern, man musste um achtzehn Uhr das Krankenhaus verlassen oder durfte auch nicht mehr rein.
00:16:53: Ja es war Erwin Kaufmann der Soziologe beschreibt ja unterschiedlichste Einrichtungen als totale Institutionen und eigentlich kann man das Krankenhaus auch aus einer totalen Institution beschreiben weil sie in gewisser Weise ja abgeschlossen ist und das Leben der Patienten und Patientinnen sehr stark bestimmt und reglementiert.
00:17:11: Ich schaue da jetzt gerade raus sozusagen, ich sitze hier in der Charité und schau da nach draußen und auch die Charité ist von einer Mauer umgeben, die historisch schon immer da war und jetzt natürlich durchlässig ist.
00:17:23: aber das zeigt ja auch diese abgeschlossenheit von diesen Einrichtungen.
00:17:28: dass dieser Besuchszeit so reglementieren hat Mag mehrere Gründe haben, aber ein Grund war bestimmt auch die mögliche Ansteckungsgefahr.
00:17:37: Also was sozusagen von draußen nach innen gebracht wird oder was von drinnen dann auch noch draußen geht und vor allem im Bezug auf den Besuch von Kindern das hier auch Erfahrungen vielleicht gemacht werden im Kontakt mit kranken Menschen, die dann psychologisch auch vielleicht schwer wieder einzufangen sind.
00:17:58: Deshalb gibt es nach wie vor Debatten darüber, ob Kinder ihre Angehörigen auf eine Intensivstation beispielsweise besuchen können sollen oder ob das eher vermeiden
00:18:09: sollte.".
00:18:11: Sie thematisieren in ihrer Ausstellung auch, wie das liegen unter anderem im Krankenbett mittlerweile als ausdruckpolitisches politischen Aktivismus genutzt wird.
00:18:26: Da gibt es mehrere Aktionen oder hat es in der Vergangenheit gegeben, auf die sie Bezug nehmen?
00:18:33: Also wie wir begonnen haben uns mit der Ausstellung zu beschäftigen sind wir im Aufmerksam geworden auf die sogenannten Liegendemus, die Aktivistinnen ins Leben gerufen haben um Aufmerksamkeit zu generieren für Betroffene von ME-CFS, einer schweren neuroimmunologischen Erkrankung die mit einer starken Erschöpfung einhergeht.
00:18:54: Und diese Demonstrationen finden regelmäßig im Mai statt und Menschen legen sich auf den Boden vor dem Hauptbahnhof hier beispielsweise in Berlin Aufmerksam auf die Erkrankung, aber auch auf die fehlenden Forschungsgelder.
00:19:13: Auf eine fehlende Aufmerksamkeit von politischer Seite für diese
00:19:17: Erkankung.".
00:19:18: Und das fanden wir spannend, hier noch mal einen ganz anderen Bezug zum Liegen aufrollen zu können.
00:19:25: Nämlich dass das Liegen aus dem Privatraum nach draußen gebracht wird und das Liegen als eine Form des öffentlichen Podests wahrnehmbar wird.
00:19:35: Das hat uns interessiert auch nochmal zu schauen.
00:19:38: wie gibt es in der historischen Vorläufer?
00:19:41: Und da sind wir auf die Aktionen der Gruppe ACT abgestoßen.
00:19:47: Das war in den Neunzehn-Achzigerjahren, Anfang der Neunzenneunziger Jahre eine Gruppe von Aktivist und Aktivisten im Kontext der HIV&Ez-Krise, die eben auch sich vor die Behörden auf die Straßen gelegt haben um damit Aufmerksamkeit zu schaffen für für HIV, für AIDS aber auch für die Stigmatisierung, die mit dieser Erkrankung hergegangen ist und auch für den Mangel an Forschung, an Interesse, an Pflege, an Versorgungsstrukturen etc.
00:20:19: Und auch das greifen wir in unsere Ausstellung auf und zeigen da noch ein paar andere Beispiele auch für dieses Liegen als eine öffentliche Protestform
00:20:28: Wo Sie gerade von Aktionen sprechen, interessiert mich was Sie denn noch zu dieser Ausstellung im Begleitprogramm machen?
00:20:36: Ich habe mittlerweile vernommen dass sie auch ihre Besucherinnen hinlegen.
00:20:42: Genau also wir haben uns natürlich überlegt es ist seltsam wäre jetzt eine Ausstellung über das Liegenzumachen wenn man diese Erfahrung nicht selbst in der Ausstellung auch machen kann und insofern zwei Stellen in der Ausstellung, wo man sich hinlegen kann.
00:20:59: Einmal ist es eine Liga die den Blick freigibt auf das Alexander-Ufer vor dem Museum und hier hat man die Möglichkeit eine Audioarbeit von Angela Alves anzuhören, was um das Liegen geht.
00:21:13: Und die andere Arbeit ist von einer Künstlergruppe Black Power Naps.
00:21:20: Auch hier kann man sich hinlegen und sich quasi in eine ganz eigene Welt auch noch mal begeben.
00:21:28: Und zum anderen haben wir auch in der Ausstellungsgestaltung überlegt, dass es auch hier eigentlich insgesamt wichtig wäre beim Display der Ausstellung diesen perspektiven Wechsel schon irgendwie zu vermitteln.
00:21:42: Das Ausstellungstisplay hat sich die Künstlerin Katrin Meier überlegt und das ist so gestaltet, die Informationen lesen zu können, um die Bilder sich auch anschauen zu können ist man immer dazu angehalten in Bewegung zu bleiben.
00:21:57: Das heißt einmal muss man den Kopf nach oben drehen, um Lesen zu kunnen und einmal nach unten also einmal die Aufsicht und die Untersicht und das ist sozusagen auch schon in dieser perspektiven Wechsel.
00:22:09: quasi ist er schon in dieses Ausstellungs-Display integriert.
00:22:12: Horizontal des Krankenbett und die Welt im Liegen heißt die Ausstellung, die sie in Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité vom neunundzwanzigsten Mai.
00:22:21: Zwei-tausendsechsund zwanzig bis zum zweiten Mai.
00:22:24: Zweitausendsiebenundzwanzig besuchen können!
00:22:26: Mein Name ist übrigens Hans Georg Möck und ich möchte Sie noch auf unsere Social Media hinweisen unter denen Sie aktuelle Informationen zur Kulturschriftung der Länder finden nämlich auf Facebook, Blue Sky Instagram LinkedIn und YouTube und natürlich auch unserer Webseite Kultur.
00:22:43: und Ihnen liebe Frau Ankele, danke ich ganz herzlich für diese Einführung in Ihre Ausstellung.
00:22:49: Vielen Dank für die Einladung zu dem Gespräch!