00:00:00: In Brühl sieht man Rockoku von früh bis spät, denn wir haben hier ja eine über-vierzigjährige Bauzeit.
00:00:08: Walter Sein Neumann – das ist wirklich einer der Star-Architekten des achtzehnten Jahrhunderts!
00:00:13: Ein Podcast von der Kulturstiftung der Länder.
00:00:19: Herzliche Grüße aus Berlin an die Hörerinnen und Hörern unseres Podcasts Ausstellungs-Tipps der Kultur Stiftungen der Länder, den Sie abonnieren können übrigens auf YouTube und allen gängigen Podcastsforen und indem wir heute sprechen über eine Ausstellung in einem, auch übereines der bedeutendsten Rokoko-Schlösser in Europa.
00:00:39: Schloss Augustusburg in Brühl liegt zwischen Köln und Bonn.
00:00:44: Ich bin jetzt verbunden mit einem der beiden dort für die Ausstellung verantwortlichen Herrn Benedikt Bauer.
00:00:50: Ich grüße Sie Herr Bauer!
00:00:52: Ja, viele Grüßes Brül!
00:00:54: Rococo under construction, the making of Schloss Augustusburg heißt die Ausstellung vom siebenundzwanzigsten Juni bis zum ersten November.
00:01:03: zwei tausendsechs und zwanzig.
00:01:05: Und ich sagte es ja schon Es geht in ihrer Ausstellung um das Schloss Augustusburg dass ganz früh schon nineteen hundert achtzig in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen wurde.
00:01:17: Was ist denn so besonders an diesem Schloss?
00:01:21: Ja, also wir freuen uns auf jeden Fall sehr dass wir schon so lange uns mit diesem schönen Titel schmücken können.
00:01:26: Mit dem UNESCO-Welterbe sogar ja auch noch länger als der Kölner Dom, der hier um die Ecke steht.
00:01:31: Das spielt sicherlich da durch eine große Rolle das Schloss Augustusburg hier was zusammen mit dem Garten und auch den Jagdschloss Faltenlust eben Drei Einigkeit sozusagen der Welterbestätte abbildet.
00:01:42: Eben eines der frühsten Rococo-Schlösser überhaupt nicht nur in Deutschland, sondern auch im internationalen Kontext und eben das Allererste in Deutschland wo man das erste Mal diesen neuen Stil, der in Frankreich entwickelt wurde hier zur Ausprägung brachte dass es nach diesen Rokeien benannt.
00:02:00: also das Rococo zeichnet sich eben nach diesen Muschelornamenten die hier besonders früh zu finden sind Und eben auch hier besonders gut erhalten sind.
00:02:09: und das ist das Schöne, was wir hier noch zeigen können.
00:02:11: Es wurde mal gesagt in Brühl sieht man Rockoku von früh bis spät und das passt ganz gut denn wir haben hier ja eine über vierzigjährige Bauzeit die siebzehn fünfundzwanzig begonnen wurde.
00:02:22: den Rockoku Stil den kann man so einordnen ab siebzen dreißig bis siebzin siebzig ungefähr.
00:02:28: und da die Schlossbaustelle dann siebzent achtundsechzig vollendet wurde Passt das eigentlich sehr schön, in dem hier einmal die gesamte Bandbreite zu sehen ist?
00:02:36: Um unseren Hörern, die jetzt nicht gerade kunsthistorisch geschult sind mal zu erklären was es denn mit dem Rockoko auf sich hat.
00:02:45: Was charakterisiert denn den Rockoko?
00:02:48: Also ich glaube jeder kann sich unter Barock etwas vorstellen so diesem schweren sehr pompösen Stil viele Marmor-Sorten dunkle Vergoldung schwere römische Kirchenräume oder eben auch das Schloss Versailles Und im Rococo hat alles so eine Leichtigkeit.
00:03:03: Da geht es ein bisschen mehr um Komodität, also so eine Bequemlichkeit auch.
00:03:08: Man möchte alles so ein bisschen privater haben, bisschen kleiner und verspielter, bisschen lockerer.
00:03:13: Häufig wird das ja auch mit Pastelltönen in Verbindung gebracht.
00:03:17: Also hellere Farben und eben sehr verspielte Dekorationen.
00:03:21: Die sind hauptsächlich bestehend aus diesen Rokai.
00:03:24: In diesen Muschelornamenten generell gibt's eine starke Verwendung von Naturmotiven die ins Haus geholt werden sozusagen Und auch gerne so exotistische Bewegungen.
00:03:34: Also wir haben eine starke Chinamode.
00:03:36: in der Zeit, alles was aus Ostasien kommt ist total beliebt wird mit Luxus und dem Versprechen des fernen Ostens verbunden.
00:03:45: Das findet sich dann innen wieder.
00:03:46: Der ganze Stil kommt eigentlich aus dem Interior-Design und ist dann erst später auf so große wirklich gebauter Architektur übertragen worden.
00:03:55: In diesem Stil wurde auch Augustusburg erbaut von Clemens August, siebzehnhundert geboren, Wittelsbacher der von siebzentunddreiundzwanzig bis einundsechzig Erzbischof und Kurfürst von Köln war.
00:04:11: Und er hat vor den Toren der Freien Stadt Kölne seine Sommerresidenz erbauen lassen und dafür einige der bedeutendsten Architekten des Barock- und des Rockoku verpflichtet.
00:04:22: Genau!
00:04:23: Köln gehörte ja sehr zu seinem Leitwesen nicht zu seinem Kurfürstentum als freie Reißstadt.
00:04:27: Daher residierten die Bischöfe schon seit dem Spätenglalter in Bonn und auch im Brühl geht die Tradition der bischöflichen Sommersitzse sehr weit zurück, schon seit den dreizehn Jahrhundert gibt es hier eine Wasserburg, die allerdings dann leider um siebzehn Hundert in einem ruinösen Zustand war nach dem fälzischen Erbfolgekrieg.
00:04:45: Und man wollte hier schon lange, also auch schon unter dem Vorgänger von Clemens August, seinem Onkel Josef Clemens einen neuen Sommerschloss erbauen.
00:04:52: Das hat Hauptsicht damit zu tun dass die Lage hier sehr gut ist.
00:04:55: für die Falkenjagd und generell für den großen Tiergarten in Brülden gibt es eben auch seit dem Mittelalter.
00:05:02: Und Clemens Augus war nicht nur Erzbischof von Köln sondern der sogenannte Monsieur de Saint-Église Also der Herr von fünf Kirchen daher auch noch Bischof vom Münster, Paderborn, Hildesheim und Osnabrück.
00:05:14: Und aus Paderborn, aus seinem Bistum dort hat er seinen ersten Baumeister mitgebracht.
00:05:18: Johann Konrad Schlaun.
00:05:20: Der ist auch in Westfalen noch sehr bekannt und hat auch das Schloss in Münster gebaut unter anderem so als Spätwerk und ist eben sehr lange für den Kurfürsten tätig.
00:05:29: und der macht eine ganz klassische Architektenausbildung kommt auch ein bisschen aus dem Festungsbauwesen und macht dann auch ne große Europatur vor allen Dingen nach Rom und nach Paris die Träume des Kurfürsten hier für den neuen Landsitz umzusetzen.
00:05:46: Das wäre jetzt sicherlich übertrieben, wenn ich sagen würde Schloss Augustusburg sei im Grunde so etwas wie eine Umbaute Prachttreppe aber es gibt einen ganz beeindruckenden Treppenaufgang im Mittelflügel, den man wohl mit Fug und Recht als den Kern des Schlosses bezeichnen kann und dazu käme noch der Name Balthasar Neumann zu den bereits genannten hinzu.
00:06:08: Genau, also Balthasar Neumann.
00:06:10: Das ist wirklich einer der Star-Architekten des achtzehnten Jahrhunderts.
00:06:13: Es ist so als ob man heute Norman Foster oder so engagieren würde und deswegen hat man ihn auch nur ganz gezielt, gefragt, angefragt und ausgeliehen aus Würzburg für bestimmte Aufgaben.
00:06:24: Er hat hier in Brühl tatsächlich den Alltag eine Schlosskirche entworfen.
00:06:28: Und Anfang der siebzehn-vierziger Jahre, als Balthasar Neumann hier beim Kurfürsten zu Besuch war, ging es eben auch darum wie man das Treppenhaus neu gestalten und umgestalten oder auch erst fertig bauen konnte.
00:06:38: Das wissen wir gar nicht so genau wie weit die Treppe zu dem Zeitpunkt war.
00:06:42: auf jeden Fall liefert er dann auch mehrere Entwürfe sogar ein Modell wird angefertigt und dann ruht das Projekt aber erstmal.
00:06:51: Und erst Ende der siebzehn-vierziger Jahre zwischen achtenvierzig und siebzenzweiundfünfzig wird das Treppenhaus, was man heute sieht dann auch wirklich gebaut und ausgestattet.
00:07:01: Ja deswegen ist der Name neu immer ein schöner Name aber wir wissen leider gar nicht so genau wie groß der Anteil wirklich war an dem Treppenhaus.
00:07:07: Anlass der Ausstellung ist jetzt die Grundsteinlegung im Jahr seventeenhundertzwanzig.
00:07:13: Das hat sich letzten Jahr zum dreihundertsten Mal gejährt.
00:07:18: Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich wäre auf diese Baustelle gekommen, sagen wir mal zehn Jahre später.
00:07:24: Vor zweihundert neunzig Jahren.
00:07:25: Wie muss ich mir eine solche Baustellung und das ist ja das Thema ihrer Ausstellung vorstellen?
00:07:31: Ja es war auf jeden Fall ein geschäftiges Treiben-Inbrühl.
00:07:34: Wenn man hier vor zweihundneinzig Jahren kam dann wart hat sich die Außenbau schon weitgehend vollendet und ansonsten der Kuffes hat das Haus schon genutzt im Sommer.
00:07:43: Das Schloss und generell die Anlagen in Brühl Die sind ungefähr so zwölf bis vierzehn Wochen im Jahr genutzt worden von Hof.
00:07:50: Auch nicht am Stück, aber auch überwiegend im Sommer.
00:07:53: Auch aufgrund des großen Gartens natürlich und ansonsten gab es den geschäftigen Treiben.
00:07:59: die Ausstattung der Innenräume ging weiter.
00:08:01: Die Stuckateure haben hier die Decken gestaltet und man ging gerade frisch an die Ausstatungen einer Privaträumlichkeiten des Kufesten, die als das Grünabert nor bezeichnet
00:08:10: werden.".
00:08:11: Dann muss er ja dort immer auf eine Baustelle gelebt haben?
00:08:15: Das war tatsächlich der Fall, das ist für uns heute auch teilweise schwer irgendwie nachzuvollziehen.
00:08:21: Gerade die Festsäle und das Treppenhaus wurden ja wie gesagt relativ spät vollendet so dass er eigentlich auch die wichtigsten Partien des Schlosses nur als Baustelle gekannt hat.
00:08:31: Grundsätzlich kann man glaube ich sagen, dass für ihn Clemens August die wichtigste Priorität ist das Haus nutzen zu können also hier wohnen zu können.
00:08:38: Man sieht es auch bei seinen anderen Schlossprojekten ja hat er teilweise sehr unterschiedliche Interessen.
00:08:43: Es wechselt auch manchmal recht schnell wo so die Schwerpunkte liegen und ihm geht's eben darum, dass er das nutzen kann.
00:08:49: Er kann hier eins ziehen, er kann den Sommer verbringen, kann sogar in einem kleineren Rahmen hier auch Gäste oder Botschafter empfangen.
00:08:56: Und dann merkt man auch, dass nur nach den ersten zehn Jahren das Interesse auch ein bisschen abnimmt an der Anlage tatsächlich oder in der Verendung der Baustelle.
00:09:04: Es kommt dann zu sehr vielen Planungswechseln auch und deswegen haben wir diese sehr lange Bauzeit von über vierzig Jahren.
00:09:11: Sie haben ja im Fokus Ihrer Ausstellung die Personen, die dort gebaut haben.
00:09:17: Haben sie eine ungefähre ideevische Personen das gewesen sein müssen?
00:09:21: Das sind ungefähr hundertfünfzig namentlich bekannte Handwerker.
00:09:25: Dazu kommt dann noch eine Vielzahl von Tagelöhnern oder auch Händlern, die wir jetzt nicht immer genau zuordnen können.
00:09:32: Aber es ist wirklich erstaunlich was für ein Großprojekt das damals war, was auf jeden Fall auch für Brühl der Konjunkturmotor des gesamten achtzehn Jahrhunderts gewesen
00:09:40: ist.".
00:09:41: Und woher genau wissen sie das?
00:09:43: Das liegt an der glücklicherweise doch sehr guten Quellenlage, also es sind viele Inventare des Schlosses erhalten.
00:09:49: Es gibt auch einige Berichte zur Baustelle oder Briefwechsel zwischen den Leitenden der Hofbau-Verwaltung und dem Handwerkern.
00:09:58: Und dann haben meine Kollegen Koko Rathorin Xenia Schürmann und ich eben auch sehr intensiv die Rechnung nochmal gestöbert.
00:10:06: Die sind fast komplett erhalten und da hat man dann doch eben sehr viele Namen gefunden noch was die im Wannen gemacht haben Und natürlich auch grundsätzlich, wie viel das so gekostet hat im ungefähren Verhältnis und dass wir einfach wahnsinnig spannend nochmal so detailliert in die Schlossbrauchstelle eintauchen zu können.
00:10:22: Wir hoffen noch, das natürlich vermitteln zu
00:10:24: können.".
00:10:26: Ich finde es bemerkenswert, dass Sie sagen fast alle Rechnungen und viele Inventarlisten sind erhalten.
00:10:33: ist das etwas Besonderes oder üblich?
00:10:36: Dass Rechnung von vor dreihundert Jahren alle noch irgendwo abgehäftet sind
00:10:40: Also, dass die deutsche Bürokratie ganz gut funktioniert.
00:10:43: Das ist jetzt nicht so unüblich.
00:10:45: aber in dem Rahmen, indem das hier noch erhalten ist... ...das ist schon wirklich was Besonderes gerade wenn man bedenkt, dass das Schloss ja durch die Französische Revolution recht stark gelitten hat.
00:10:55: Es sind ja alle Möbel verkauft worden.
00:10:58: Ist es besonders dann doch nochmal durch die Inventare und eben die Archivalien noch mal virtuell dieses Bild wieder auferstehen lassen zu können?
00:11:06: Und die Vielzahl in Rechnung ist wirklich was Besonderes.
00:11:09: Einziger Wermutstropfen ist leider, dass gerade die Rechnungen für den Zeit des Treppenbaus nicht erhalten sind.
00:11:15: Diese spannende Phase um siebzehn Fünfzig da gab es nämlich auch so ein paar Verwirrungen zwischen dem Hofbauintendanten und dem Hof Bauamt weshalb da leider einige Rechnungs fehlen.
00:11:27: Jetzt würde mich ja interessieren, wenn Sie haben gerade gesagt, Sie sind mit Ihrer Kollegin da nochmal diese ganzen Unterlagen durchgegangen.
00:11:35: Was erfährt man denn aus diesen Inventaren und Rechnungen?
00:11:40: Was stecken dafür Geschichten drin?
00:11:43: Ja, also das ist eigentlich sehr schön weil man kann viele Personen zuordnen die hier über einen sehr langen Zeitraum auch häufig auf der Baustelle gearbeitet haben.
00:11:51: Oft über mehrere Jahrzehnte waren die hier beschäftigt und man können relativ genau sehen pro Jahr wer wann was gemacht hat ob jetzt der Stuckerturm aus Senjo die Deckel im Schlafzimmer gestaltet hat und seine Mitarbeiter die im Vorzimmer oder ja was der Lieferant aus Köln für Kaik oder Gold angeliefert hat.
00:12:12: sehr spannend und gerade natürlich bei den größeren Künstlern, den Stars der Baustelle wie dem Maler Carlo Calone oder auch kleineren Malern Vise-je-Sèf Belieu.
00:12:22: Wann die einfach was gestaltet haben?
00:12:23: irgendwie siebzehnfünftig einige Decken im Staatsappartement.
00:12:26: das ist total interessant und auch wie schön für die Künstler.
00:12:29: wieder zum Nachvollziehen Das kann man dann noch sehr gut abgleichen mit den Kirchenbüchern aus Bonn und Brühl.
00:12:35: Und so sieht man dann auch, dass viele der Leute wieben auch den Hofstuckerteur in die lokale Bevölkerung eingeheiratet haben und auch teilweise in Brühl richtig sesshaft geworden sind.
00:12:44: Das sind ja zum Teil internationale Fachkräfte gewesen, die da gearbeitet haben, weil sie Techniken beherrscht haben, die im Ausland beherrschten wurden.
00:12:53: Jetzt frage ich mich – wie hat man vor dreihundert Jahren diese Menschen angeworben?
00:13:00: Wie hat man die angestellt?
00:13:01: Wo haben die überhaupt
00:13:02: gewohnt?!
00:13:04: Und gab es nicht auch noch Sprachprobleme dabei?
00:13:07: Also das mit der Sprachenvielfalt, das ist schon recht erstaunlich.
00:13:11: Die Bauverwaltung und die Leitung waren natürlich höchstgebildet.
00:13:16: Sie konnten wahrscheinlich drei oder vier Sprachen sprechen auf jeden Fall französisch und wahrscheinlich italienisch neben Deutsch noch.
00:13:23: Deswegen ging das ganz gut dann tatsächlich.
00:13:27: länger hier ansässigen Künstler, die werden dann auch wahrscheinlich deutsch zumindest so grob beherrscht haben.
00:13:33: Aber zum Beispiel über den Architekten François de Quilier weiß man das sehr schlecht.
00:13:37: Deutsch gesprochen hat und eigentlich nur französisch.
00:13:40: Und das hat anscheinend trotzdem gut funktioniert.
00:13:41: Die hatten ja alle einen Mitarbeiterstab aus verschiedenen Personen.
00:13:45: heute kennt man nur noch die Namen aber das ist natürlich auch damals schon ein Architekturbüro gewesen wie das heute auch der Fall wäre mit verschiedenen Personen, die den Leiter, den leiten Architekten unterstützen.
00:13:56: Ansonsten haben die Leute teilweise in der Stadt gewohnt oder auch in Bonn.
00:14:01: Das war so eine halbe Tagesreise entfernt damals und sind dann recht aufwendig hier zum Beispiel an der kurslichen Kellerei untergebracht worden, bei lokalen Personen im Brühl.
00:14:12: Manche haben sich eben dann auch hier in Haus gekauft oder hier in die Familien eingeheiratet.
00:14:17: Und das war schon ein großes logistisches Unterfangen natürlich auch die Versorgung des Hofstaats und doch der Baustelle.
00:14:23: um einmal zu der Ausstellung zu kommen Wie zeigen Sie das denn, was Sie da gerade geschildert haben beziehungsweise welche Objekte zeigen sie?
00:14:32: Ja also was ganz schön ist eigentlich direkt der erste Raum.
00:14:34: Da geht es um die Baustelle.
00:14:36: Da sind so die ganzen praktischen Fragen, die vielleicht aufkommen wie wurde das Holz hierhin transportiert.
00:14:41: Es wurde ja meistens geflößt über den Rhein.
00:14:43: oder wo kommen generell die Baumaterialien her?
00:14:46: dann auch wo kommt die Künstler her?
00:14:48: man hat viele hier ausländisch klingende Namen französisch italienisch Meisten der Architekten kam ja dann doch aus Frankreich oder dem französprachigen Raum und der absolute Renner im Achtzehn Jahrhundert sind halt Freskanten und Stuckateure aus Norditalien bzw.
00:15:03: dem Tessin in der Schweiz, da kann man noch heute ganz spannend im Wald in Telvi diese Dörfer sehen wo die alle herkamen.
00:15:12: teilweise sind hier wirklich auf der anderen Seite vom Hügel aufgewachsen und sind dann während des Sommers immer nach Norden gezogen um dann hier eben nördlich der Alpen die ganzen Kirchen und Schlösser auszustatten, die Großbrau-Projekte.
00:15:24: Und dann sind sie im Winter meist wieder in die Heimat gefahren und haben da andere Aufgaben erfüllt oder waren bei den Familien.
00:15:31: Und das waren wirklich die Spitzenkräfte der Zeit, die man extra angeworben hat.
00:15:35: Man hat es eben auch manchmal geschafft, die dauerhaft anzuwerben dass sie hier dann wirklich sesshaft geworden sind.
00:15:40: und als Highlight zeigen wir uns ansonsten natürlich noch zum einen die Werkzeuge der Handwerk- und Künstler.
00:15:46: Das ist besonders wichtig dieses Kunsthandwerk in den Fokus zu stellen.
00:15:52: Oder man sieht zum Beispiel den Bozzetto, also die Vorzeichnungen von Carlo Calone für das Deckenfresco im Punkttreppenhaus.
00:15:59: Natürlich sehr beeindruckend!
00:16:01: Das fertige Werk nur wenige Räume neben der Vorzeichnung zu haben, die der Meister dann selbstständig angefertigt hat.
00:16:10: Und in ihrer Ausstellung geht es auch darum, im Begleitprogramm ganz praktisch zu zeigen wie diese Berufe heute funktionieren die damals schon auf der Baustelle vertreten waren.
00:16:21: Ich habe gelesen, dass sie mit der Stuckateursinnung in Köln beispielsweise zusammenarbeiten.
00:16:26: Wie muss ich mir das vorstellen?
00:16:28: Also kommen dann da Ausbildungsklassen zu ihnen und werden dort eingewiesen?
00:16:33: Wir hoffen natürlich, dass Ausbildungsklassen kommen.
00:16:35: uns ist generell sehr wichtig ein möglichst breites und auch inklusive Rahmenprogramm zu bieten Und so wollen wir natürlich auch junge Leute neugeweig machen auf die Handwerkstechniken, die ja immer noch relevant sind und die es auch immer noch gibt.
00:16:48: Und das hat sich auch teilweise trotz der technischen Modernisierung gar nicht so stark verändert von dem eigentlich klassischen Handwerk Damals ob das jetzt der Schmied ist oder eben der Stuckerteuer und da freuen wir uns sehr dann eben Workshops anbieten zu können wo man dann auch vielleicht als Laie einmal hineinschnuppern kann in Handwerkstechnik oder eben auch in Vorträgen, oder Präsentationen dann nochmal live zeigen zu können wie das eigentlich alles so geht.
00:17:13: Jetzt bin ich in einem fortgeschrittenen Alter wo ich nicht mehr darüber nachdenke ob ich Stuckateur werden möchte oder sollte.
00:17:20: was länd denn jemand wie ich heute für mein Leben aus ihrer Ausstellung?
00:17:27: Also ich glaube ein Aspekt ist zum einen dass Großbauprojekte in Deutschland schon immer mehr oder weniger gleich funktioniert haben, dass es immer ein logistisches Meisterwerk auch ist Und sehr aufwendig, dann natürlich wirklich der internationale Aspekt.
00:17:39: Auch wenn wir hier in Brühl ja sozusagen den netten Sommersitz auf dem Lande haben war das wirklich für kurze Zeit immer ein Zentrum der europäischen Kunstgeschichte und Baupolitik und dass hier wirklich die meisten ihres Fachs tätig waren.
00:17:54: Das ist immer noch wahnsinnig beeindruckend und das ja doch wunderschöner Ergebnis auch heute noch sehen zu können.
00:18:00: Ist natürlich auch toll!
00:18:01: Und das andere sind wirklich die Praxianaspekte, die glaube ich heben Begeist an einfach zu sehen, wie dann wirklich aus dem Stück Eisen ein kunstvolles Geländer geschmiedet wird.
00:18:11: Das kann man auch in verschiedenen Mitmonstationen noch ausprobieren die Handwerkstechniken bzw.
00:18:16: auch in den Erklärfilm nochmal sich genauer zu Gemüte führen und ich glaube das fasziniert jeden gerade wenn man jetzt nicht handwerklich tätig ist und so viel entfremdete Arbeit leistet dass man da nochmal diesen Bezug hat zu diesen praktischen Dingen.
00:18:31: Also ich habe jetzt gerade gelernt, dass Großprojekte über die man heute spricht weil sie besonders lange dauern doch verhältnismäßig schnell sind im Vergleich zu Brühl wo man vierzig Jahre an einem Schloss gebaut hat.
00:18:44: Genau ich denke das kann vielleicht auch einige mildes stimmen wenn man Berliner Flughafen sieht oder die Kölner Oper.
00:18:51: Was haben Sie denn?
00:18:52: für ein Lieblingsobjekt in dieser Ausstellung.
00:18:55: Ich weiß alle Kuratoren sagen mir immer, wenn ich sie danach frage das ist ganz schwer aber es gibt ganz viele.
00:19:01: aber vielleicht fällt ihnen eines ein
00:19:03: Ja, es ist natürlich ganz schwer.
00:19:05: Aber was auf jeden Fall ein Herzensobjekt ist, ist ein Rest des Laka-Povarakabinets das wir jetzt endlich mal ausstellen können.
00:19:12: Es gab im Gelben Appartement in dem auch die Ausstellung stattfindet also der kurverslichen Wohnung einen ganz besonderes Zimmer.
00:19:18: zum Schluss, ein kleines Kabinet, was vollständig in laka-povara Technik gestaltet war... Heißt wirklich Amalak.
00:19:24: Das ist so eine Lack-Kolagetechnik, wo man eben in den siebzehnzwanziger Jahren ganz wild war, Ausschneidebögen zu zersägen und dann eben zu neuen Collagen zusammenzubasteln oder auch Bücher wie in unserem Fall von Maria Sebelameria an die berühmten Solennahme ansichten.
00:19:41: Normalerweise macht man das nur mit kleineren Objekten wie Dosen oder Möbeln und hier wird tatsächlich der komplette Raum in dieser Technik gearbeitet.
00:19:49: Das war wirklich einzigartig, hatte auch natürlich passend die Farben weiß-blau also die Farbe der Wittelsbacher.
00:19:54: Das ist leider im Krieg zerstört worden und jetzt haben sich nur ungefähr twenty fünf Prozent erhalten.
00:19:59: Jetzt können erstmalig wieder Teile davon gezeigt werden dass es einfach schön, dass nach achtzig Jahren da noch mal so ein bisschen die Vorstellung aufkommen kann Wie das eigentlich gewesen ist das Zimmer damals zu sehen.
00:20:09: Also das waren Muster, die man dann an die Wand gelegt hat und umzeichnet hat oder die man auf die Wand geklebt hat.
00:20:17: Nein das ist wirklich eine Klebetechnik.
00:20:19: also es wird richtig kollagiert und dann wird später einmal drüber lackiert.
00:20:23: deswegen auch der Name Lackapovera als Lacktechnik.
00:20:27: Wunderbar!
00:20:27: Dann wünsche ich... ihnen, dass nicht nur unsere Hörerinnen und Hörern sich auf den Weg machen und am Ende auch ein solches Lieblingsobjekt benennen können.
00:20:37: Rokoko and the Construction The Making of Schloss Augustusburg heißt die Ausstellung vom siebenundzwanzigsten Juni bis zum ersten November.
00:20:45: zwei tausendsechsund zwanzig Und Facebook Instagram Blue Sky und LinkedIn heißen die Kanäle auf denen wir solche Ausstellungen der Kulturstiftung der Länder hinweisen Ebenso wie auf allen Podcasts, Plattformen und auf unserer Webseite kulturschtiftung.de.
00:21:00: Mein Name ist Hans-Georg Möeg und ich danke Benedikt Bauer für dieses Gespräch!
00:21:04: Vielen Dank Herr Bauer!